Beton ist grau und langweilig. Von wegen! Nicht bei Janine & Ralf im Makerspace.

Beton ist grau und langweilig. Von wegen! Nicht bei Janine & Ralf im Makerspace.

Beton gehört unverändert zu den Trendmaterialien. Deshalb freuen wir uns, dass wir im Makerspace zwei Mitglieder haben, die sich intensiv damit beschäftigen und mittlerweile auch gut auskennen. Das allgemeine Interesse an ihren Projekten ist groß und wächst weiter. Grund genug, Euch die beiden mal vorzustellen, als Beitrag der Reihe “Mein Projekt im Makerspace”.

Zuerst wollen wir natürlich wissen, wer ihr überhaupt seid und was ihr so macht.

Janine & RalfWir sind Janine und Ralf aus Leipzig. In unseren festen Jobs sind wir Projektmanagerin und Werkzeugbauer. Eine kreative Ader begleitet uns beide. Janine fotografiert in ihrer Freizeit und Ralf ist der Handwerker. Wo es etwas zu bauen gibt, ist Ralf dabei.

Auf der Suche nach einem Projekt sind wir auf das Material Beton gestoßen. Kurzerhand ging es los: Ideen entwickeln, Hände schmutzig machen und selbst etwas produzieren. Im Makerspace haben wir seit mittlerweile fast einem Jahr nicht nur Räumlichkeiten zum Arbeiten gefunden, sondern auch viele Gleichgesinnte getroffen, mit denen wir uns ständig austauschen. Wir freuen uns jedes Mal aufs Neue, unsere fertigen Betonarbeiten auszuformen und zu sehen, ob unsere Experimente gelungen sind. Es ist großartig, etwas Eigenes zu schaffen!

Bei Beton denken die Meisten vermutlich an Baumaterial. Aber ihr macht etwas ganz Anderes.

(Ralf) Stimmt, wir stellen Wohnaccessoires aus Beton her. Angefangen haben wir mit kleinen, freischwingenden Schalen. Daran haben wir lange herumprobiert. Wir haben beide bisher noch nie mit Beton gearbeitet gehabt, daher mussten wir erst lernen mit welchen Mischungsverhältnissen man gute Ergebnisse erzielt. Wir haben unterschiedliche Betonarten ausprobiert und nutzen auch oft Farbpigmente. Mittlerweile haben wir viele weitere Produkte im Portfolio, einen Dawanda-Shop unter der Marke Merci, chérie eröffnet und wir durften unsere Produkte bereits auf einem Designmarkt ausstellen, dem Happy-Pop-Up-Market.

Marktstand

Ok, aber wie seid ihr ausgerechnet auf Beton gekommen?

(Janine) In meinem Job als Projektmanagerin im E-Commerce kann ich zwar kreativ sein, aber die Arbeit findet ausschließlich am PC statt. Fotografie war letztlich dasselbe. Man arbeitet viel am Bildschirm und ich hatte das Bedürfnis, etwas zu fertigen, was ich wirklich in den Händen halten kann und mit Einsatz von verschiedenen Materialien selbst zusammenstellen kann. Ich habe ein wenig herumgeschaut und bin irgendwann auf ein Video gestoßen, in dem eine Dame einen Kerzenhalter aus Beton gegossen hat. Ich fand es faszinierend und mir kamen gleich viele Ideen. Am nächsten Tag bin ich in den Baumarkt gefahren, habe Beton gekauft und selbst losgelegt. Nach einigen ersten Versuchen in der Wohnung habe ich zwei Dinge festgestellt. 1) Die Wohnung ist nicht unbedingt der richtige Ort, um mit Beton herumzumatschen. 2) Es macht aber riesigen Spaß.
Ralf hat sich sehr schnell anstecken lassen und so haben wir entschieden, das Projekt Betondesign ein wenig professioneller zu gestalten. Nach kurzer Suche kamen wir auf den Makerspace und seitdem arbeiten wir dort.

Wie lange habt ihr bis zu den ersten brauchbaren Ergebnissen getüftelt?

Schalen mit Beton(Ralf) Brauchbar ist das Stichwort. Man kann sehr schnell Ergebnisse erzielen. Beton kaufen und die Wohnung nach Gießgefäßen durchsuchen. Irgendetwas findet man immer – alte Milchkartons, die Obstschale, übrig gebliebene Kunststoffbecher der letzten Party. Damit haben wir auch die ersten Formen gegossen. Wenn man einen gewissen Anspruch hat, muss man ausprobieren. Wir haben schnell gemerkt, dass sich der 08/15-Beton aus dem Baumarkt nicht gut für kleine, feine Dinge nutzen lässt. Also haben wir erst einmal verschiedene Betonarten bestellt. Die Gießformen sind bei dem Projekt die eigentliche Arbeit. Wir tüftelten eine ganze Weile, welche Formen sich eignen und worauf man achten muss. Kunststoff und Silikon hat sich als beste Form ergeben. Mit einem einfachen Trennmittel wie Öl lässt sich das fertige Beton Wohnaccessoire perfekt ausformen. Die ersten Schritte waren also gemacht.

Ist in eurer Probierphase auch mal was so richtig schiefgegangen?

(Janine) Ständig. Wir waren schnell etwas übermütig und dachten, wir gießen einfach einmal eine riesige Schale in der Größe eines Waschbeckens. Wir lagen allerdings mit der Menge des Betons und der Art des Betons vollkommen daneben. Zunächst haben wir eine riesige Menge Beton angerührt, mit Pigmenten eingefärbt, stellten aber beim Gießen in die Form fest, dass es viel zu wenig war. Ok, gut. Noch einmal Beton anmischen, färben und hinzugießen. Problem 1: Mit den Pigmenten denselben Farbton zu erzielen, ist nahezu unmöglich. Problem 2: schnell festwerdender Beton. Innerhalb weniger Minuten war der Beton fest und es ging nichts mehr. Wir brauchten drei weitere Betonmischungen, um die Form vollständig zu gießen. Durch das schnelle Trocknen zwischendurch haben wir im Ergebnis einzelne Schichten in leicht unterschiedlichen Farben produziert. Letztlich haben wir einen 12 kg schweren Betonklotz gefertigt, der nicht wirklich als Schale oder irgendetwas anderes nutzbar ist.

Diese Schale werdet ihr so schnell wohl nicht vergessen. Aber ihr stellt ja noch ganz andere Sachen her. Welche Produkte habt ihr aktuell in eurem Portfolio?

(Ralf) Von den ersten Schalen haben wir uns mittlerweile entfernt. Wir produzieren aktuell ein paar kleine Dinge wie Beton Magnete oder Ohrringe. Dazu kommen etwas größere Teile wie Lichtschalen. Die sind sehr beliebt. Es handelt sich dabei um Arbeiten mit Modellierbeton. Außen sind die Schalen rauh, innen glatt und mit Metall Farben gefärbt. Mit einem Teelicht strahlen sie wundervoll und sind ein schönes Accessoire in der Wohnung. Unser beider beliebtestes Produkt ist unser Kaffeebrüher. Mit einem großen Betonfuß, Kupferrohr und einem Glasfilter haben wir hier ein tolles Designstück geschaffen, was auf jeden Fall ein Hingucker ist. Das ist auch die Richtung, in der wir uns weiterentwickeln wollen.

Beton-Magnete
bunte Schale
klassische Kaffeemaschine

Ja, die Lichtschalen sind wirklich toll, aber sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange. Was plant ihr für die Zukunft?

(Janine) Wir haben nach mittlerweile einem Jahr nun die Versuchsphase abgeschlossen, uns ein wenig professionalisiert und arbeiten nun an Prototypen für größere Wohnaccessoires wie Lampen und Waschbecken – jetzt aber ordentlich!

Dazu braucht es zum einen die Entwicklung von Formen und zum anderen höherwertige Materialien und Verarbeitungsmethoden. Mit beidem beschäftigen wir uns gerade.

Welche Rolle spielt der Makerspace dabei? Ihr seid ja recht oft hier.

(Ralf) In erster Linie ist der Makerspace eine willkommene Gemeinschaft Gleichgesinnter. Wir sind immer wieder erstaunt, wie viel Wissen in der Gemeinschaft herrscht. Irgendwer kennt immer die Lösung deines Problems oder kann helfen. Zudem ist es interessant, auch bei den Projekten anderer über die Schulter zu schauen. Man lernt viel und trifft nette Leute.

In zweiter Linie ist der Makerspace natürlich unser Arbeitsort. Nach und nach hat man doch recht viel Material angesammelt: Beton, Formen, Anrührgeräte, Fließmittel, Pigmente, Armierungen, Werkzeug, Reinigungsmittel. Zu Hause kann man das nicht alles lagern und bearbeiten erst recht nicht. Seit Kurzem haben wir nun auch ein eigenes Gewerk im Makerspace gegründet und uns vom Keramik Bereich separiert. Durch einen internen Umzug haben wir viel Platz zum Arbeiten hinzugewonnen. Das macht vieles leichter.

Was schätzt ihr am meisten am Makerspace?

(Ralf) Den Austausch. Manchmal, muss ich zugegeben, scheint der Makerspace wie ein wirrer Haufen. Aber letztlich hat jeder seine Aufgabe und sein Projekt und es macht Spaß, mit allen zu arbeiten.

Ganz im Sinne einer Offenen Werkstatt teilt ihr euer Wissen mit Anderen und gebt Workshops. Wie kommen die an?

(Janine) Tatsächlich sehr gut. Unser erster Workshop im vergangenen Dezember war sehr schnell ausgebucht. Beton ist immer noch und mehr denn je ein Trendmaterial, für das sich viele interessieren. Und da helfen wir gern. Es macht uns Spaß, unsere Erfahrungen weiterzugeben. Pro Workshop produzieren wir mit den Teilnehmern drei Beton-Gegenstände, die die Teilnehmer natürlich mit nach Hause nehmen dürfen.

Workshop-Teilnehmerin

Wenn wir schon beim Thema Workshops sind: Ihr habt doch bestimmt paar Termine parat?

(Janine) Für die kommenden Monate haben wir vier Termine geplant.

  • 18.06.2017 Lichtschalen aus Beton
  • 25.06.2017 Betonschmuck
  • 02.07.2017 Anfänger Beton Workshop

Ostereier aus Beton

Wir freuen uns über viele Teilnehmer! Wer sich auch mal gern seine Hände schmutzig machen möchte, meldet euch gern über http://makerspace-leipzig.de/kalender/ an.

Wer individuelle Wünsche für einen Workshop hat, kann sich natürlich auch immer melden.

Wie/wo/wann kann man euch kontaktieren, wenn man Interesse an coolen Sachen aus Beton hat?

(Ralf) Über unsere Dawanda Seite merci-cherie auf jeden Fall.
Ansonsten schreibt uns gern eine E-Mail an beton@makerspace-leipzig.de.
Aber am besten passt man uns einfach einmal im Makerspace ab.

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg und Spaß im Makerspace!

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André

Beitrags Autor

Gründungsmitglied - Koordinator Marketing - Verantwortlicher Upcycling